Good Practice April 2018 - Kulturspagat

Spagat zwischen verschiedenen Kulturen – Podiumsdiskussion

Im Juli 2017 fand in der Schule Auzelg in Zürich der Elterntreff als Podiumsdiskussion statt. Das Thema des Abends war „Kulturspagat zwischen verschiedenen Kulturen“, welches vom Elternforum nicht ohne Grund gewählt wurde.

Da die Schule Auzelg eine multikulturelle Welt an sich ist, darf ein reibungsloser und gelungener Schulalltag keine Selbstverständlichkeit sein. Wie lautet dann das Zauberwort der Schule? Die Zusammenarbeit! Die Zusammenarbeit von Lehrer/-innen, Eltern und der Schüler/-innen. Diese setzt jedoch eine gute Integration der Schüler und Schülerinnen und deren Eltern in der Schweizer Kultur voraus. Von der Schule ist ein gesundes Mass an Entgegenkommen gefragt.

Was die Integration ist, wie sie erlangt wird und was die Bedingungen sind, musste gemeinsam diskutiert und die eigenen Erfahrungen ausgetauscht werden. Dass die Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen während dem Integrationsprozess einen Kulturspagat machen müssen, ist nicht allen klar. Soll beispielsweise ein Kind das machen, was ihm die Lehrpersonen mit Schweizer Wurzeln vorgibt oder das befolgen, was ihm Zuhause gesagt wird? Eine präzise Antwort auf diese und viele weitere Fragen gibt es nicht, deshalb hat sich das Elternforum für eine Podiumsdiskussion entschieden.

Gemäss dem abgebildeten Schema bildeten die Eltern das Publikum.
Die Vertreter/-innen setzten sich aus Lehrpersonen, Eltern, einer jungen Erwachsenen und einem im Hort tätigen Betreuer zusammen. Sie wurden anhand folgender Kriterien ausgewählt bzw. konnten sich freiwillig melden:

  • Erfahrung mit Migration aufgrund des eigenen Integrationsprozesses
  • oder mit Menschen, welche einen Migrationshintergrund haben, seien dies Familienmitglieder, Schüler/-innen oder Partner/-innen.

Zu Beginn der Diskussion stellten sich alle Vertreter/-innen vor und erläuterten kurz ihren Bezug zum Thema Integration und Kulturspagat.

Als Moderatorin leitete Mirya Fazili vom Elternforum die Diskussion und bezog die Fragen aus dem Publikum ins Gespräch ein. Ausserdem hakte sie nach, machte den Vertreter/-innen Mut und motivierte sie, offen über ihre Erfahrungen zu sprechen. Sie stellte einen Zusammenhang zum Thema her und machte deutlich, wie wichtig es ist, wenn sich sowohl die Eltern als auch die Lehrpersonen und die Schule dem Kulturspagat der Kinder und der hohen Hürden bewusst sind.

Im Verlaufe des Abends konnte zum einem gezeigt werden, dass die Menschen im Integrationsprozess nicht alleine sind bzw., dass sie über die eigenen Schwierigkeiten sprechen dürfen und sich Unterstützung bei Mitmenschen holen können, welche bei der Integration schon Erfahrungen sammelten. Zu anderem konnte die Scheugrenze mehr oder weniger durchdrungen werden und das Ziel, für das Thema Integration zu sensibilisieren, wurde erreicht.

Im Zentrum der Diskussion standen demnach die Probleme der Kinder, welche in ihrem Umfeld und Zuhause mit unterschiedlichen Kulturen aufwachsen. Thematisiert wurden auch die Mühen ihrer Eltern, den verschiedenen Kulturen und besonders der schweizerischen, entgegen zu kommen. Weiter wurde diskutiert, welche Verpflichtungen im Integrationsprozess der Kinder ihren Eltern und welche der Schule zugeschrieben werden.

Zur Veranschaulichung ein konkretes Beispiel: In bestimmten Kulturen ist es für die Kinder, vor allem für die Mädchen, nicht „erlaubt“ bzw. nicht angebracht, für eine Woche von Zuhause fernzubleiben und somit an einem anderen Ort als dem Elternhaus zu übernachten. Geht aber ein Mädchen in der Schweiz zur Schule, darf bzw. muss es spätestens in der 5. Mittelstufe in ein Klassenlager gehen. Vielen Eltern mit einem Migrationshintergrund bereitet dieser Anlass Kopfzerbrechen. Hier wäre es die Aufgabe der Schule, mit den Eltern Kontakt aufzunehmen, ihnen Verständnis zu zeigen, Ziel und Zweck eines Klassenlagers zu erklären und versuchen, mit den Eltern gemeinsam eine Lösung zu finden. Laut der Erfahrung eines Vertreters sei dies in den meisten Fällen erfolgreich gewesen.

Am Ende des Abends wurden zwei Ziele festgesetzt:

  1. Den Kindern beim Kulturspagat Zeit zu lassen, ihnen einen Spielraum zu geben, für sie da zu sein und ihnen keine „Grenzen“ vorzuschreiben. Vielmehr soll gemeinsam mit ihnen die „Mitte“ erkundet werden.
  2. Ausserdem sollen nicht die Kulturunterschiede im Vordergrund stehen, sondern die Gemeinsamkeiten, auf die gebaut werden kann.

Ein Elterntreff in Form einer Podiumsdiskussion hat die Teilnehmenden sehr angesprochen. Die Vertreter/-innen konnten ihre persönlichen Erfahrungen, Bedürfnisse und Anliegen einbringen. Dadurch wurde das Eis gebrochen und das Publikum beteiligte sich mit ihren Fragen und Beiträgen am Gespräch. So wurde es den Eltern beispielsweise noch klarer, dass sie die Problemthemen wie Klassenlager, Fasten der Kinder während dem Sporttag, Schulfrei für die Kinder (natürlich als Jokertage) während den religiösen Feiertagen, etc. offen mit der Schule diskutieren und ansprechen können. Zudem wurde es für alle Eltern deutlich, dass nicht nur sie und ihre Kinder einen Kulturspagat machen müssen, sondern auch die Schule bzw. die Lehrpersonen. Die Schule konnte ausserdem darlegen, wie weit sie überhaupt entgegenkommen kann ohne den gesetzlichen Auftrag zu verletzen.

Die Fachstelle Elternmitwirkung dankt Mirya Fazili für den Bericht über die Podiumsdiskussion.

Falls Sie mehr zur Methode oder zur Planung wissen wollen, wenden Sie sich per Mail an Mirya Fazili.